Die Propaganda für die weitere Nutzung der Atomenergie – vorgeblich zum Schutze des Klimas und der Armen (oder vielleicht doch eher der armen Energieindustrie?) – macht auch vor der Europäischen Kommission nicht halt. In dem gerade veröffentlichten „Eurobarometer Spezial: Einstellung zu radioaktiven Abfällen“ werden die Daten gedreht und gewendet, bis sie passen. Dabei wird mal eben die am besten gebildete Bevölkerungsgruppe zur Dümmsten gemacht, oder es wird nur noch die Meinung der über 55-jährigen gewertet – weil sie besser in die Pro-Atom-Botschaft passt.
Zitat: „Viertens scheinen Führungskräfte Kernenergie wahrscheinlicher positiv zu sehen als andere Berufsgruppen, während Hausfrauen und -männer wahrscheinlicher dagegen sind. Diese Unterscheidung ist folgerichtig, wenn man die Ergebnisse hinsichtlich Ausbildung und Geschlecht miteinbezieht: Führungskräfte sind oftmals männlich und haben eine gute Ausbildung und sind demzufolge der Kernenergie gegenüber positiver eingestellt, während Personen, die zu Hause bleiben oftmals Frauen mit einem niedrigen Ausbildungsniveau und dementsprechend eher dagegen sind.“
Nun ist zwar schon seit vielen Jahren bekannt, dass weiße Männer in hohen Führungspostionen diejenigen sind, deren Risikobewusstsein gegen Null tendiert – dummerweise sind das diejenigen, die über die Risiken entscheiden – aber dass gleichzeitig die Frauen mit ihrem hohem Risikobewusstsein und der entsprechend hohen Ablehnung der Atomenergie für dumm verkauft werden, ist neu. Nur ein Drittel der Frauen sprechen sich im europäischen Mittel für die Atomenergienutzung aus, während es 54% der Männer sind. Immerhin heißt das umgekehrt, dass auch 46% der Männer dumm sind – obwohl sie keine Hausmänner sind. Oder sollte sich deren Anteil plötzlich dramatisch erhöht haben?
Um nicht in der Polemik stecken zu bleiben, fordert genanet Frauenorganisationen zu einer Aktion auf: „Weitermachen! Frauen wollen den Atomausstieg“. Schickt uns ein Statement, zwei bis vier Sätze, in dem sich die Meinung eurer Frauenorganisation zur Atomkraft widerspiegelt. Wir möchten die Meinungen der Frauenorganisationen in der Öffentlichkeit und Politik sichtbar machen und werden die gesammelten Aussagen an die Kanzlerin und der Wirtschaftsminister schicken und, wenn es uns gelingt dafür noch etwas Geld zu sammeln, eine Anzeige veröffentlichen.
Weitere Informationen unter www.genanet.de