Archiv für November 2007

Vom Bahn-Streik und einem (guten) Leben ohne Auto

Eigentlich habe ich mich mit meinem Leben ohne Auto gut arrangiert – vorausgesetzt es kommt nichts dazwischen. Klar, ich vermisse schon die kleinen Einkaufstripps mal schnell und zwischendrin zu IKEA oder einfach mal raus so richtig ins Grüne, also dorthin, wo kein Bus und keine Bahn hält. Aber da ich wirklich nicht gerne Auto fahre (und mein Partner auch nicht, er hat nicht einmal einen Führerschein) habe ich nicht das Gefühl eines schlimmen Verzichts. Vielmehr lebe ich so, wie ich leben möchte – vorausgesetzt es herrscht kein Bahn-Streik, denn ein Bahn-Streik verhält sich ähnlich wie eine Krankheit beim Kindlein: die Alltagsorganisation bricht zusammen. Da ich in Berlin arbeite und nicht gleich bei mir um die Ecke in Potsdam, bekomme ich dies besonders zu spüren – denn wie beim erkrankten Kind muss schnell ein Alternativplan her: am besten zu Hause arbeiten, allerdings komme ich dort nicht an alle Dokumente heran; wenn etwas Dringendes ansteht, doch die Reise nach Berlin wagen – trotz immensen Zeitverlusts, unser Kind muss dann mein Partner von der Kita abholen (was er eh meistens tut). Hört sich eigentlich unkompliziert an, ist es manchmal auch, aber nicht immer, denn der Partner kann auf Dienstreise sein, wenn so etwas passiert. Oder frau hat keine Alternative, weil sie ganz unbedingt ins Büro muss. Heute zum Beispiel habe ich frei, muss aber gleich eine gute Freundin mit ihrem 18 Monate alten Sohn vom Flughafen Tegel abholen. Ich bin eigentlich eine gute Gastgeberin – und somit finde ich es gar nicht schön, meinem Besuch die Strapazen des Bahn-Streiks auszusetzen. Nun denn, es wird auch irgendwie anders gehen, sicherlich nicht bequem, notfalls mit dem Taxi – aber ist es etwa besser, stundenlang im Stau zu stehen, weil jetzt alle mit dem Auto fahren? Nein, ich wünsche mir immer noch kein Auto – vielleicht weil so viele Menschen eines besitzen und es nicht mehr reizvoll ist, vielleicht weil es der Umwelt schadet, weil es teuer und gefährlich ist und weil es einen furchtbar bequem macht. Ich fühle mich tatsächlich besser so.

Berlin aufheizen

„Klimaschutz – weil die unterschiedlichen Jahreszeiten so schön sind“ hieß die Botschaft einer unserer Teilnehmerinnen an der Fotoaktion „Frauen schützen das Klima – Frauen fordern Klimaschutz“ anlässlich des Internationalen Frauentages 2007.
Wenn man jetzt, Anfang November, abends durch die Straßen Berlins läuft, schleicht sich allerdings der Eindruck ein, dass alle Kneipen und Restaurants daran arbeiten, dass es nur eine Jahreszeit gibt: den Sommer. Komme was wolle. Gas-Terassenheizer sorgen dafür, dass es kuschelig warm ist. Klimawandel? Energiesparen? Nie gehört. „Gas ist doch nicht schlimm“ lautet die Antwort auf Nachfrage. Deshalb gehen jetzt einige Kneipen noch einen Schritt weiter und heizen zusätzlich mit elektrischen Strahlern. Die Energieversorger und vor allem die Atomenergielobby – ohnehin gerade unter dem Deckmäntelchen des Klimaschutzes am Erstarken – werden es danken. Dabei zeigen doch die Studien des Umweltbundesamtes zum Umweltbewusstsein der Bevölkerung deren hohe Sensibilität für Umweltschutz. Immerhin wird Umweltschutz und Klimawandel als zweitgrößtes Problem gesehen. Sind es also nur die ausländischen Touristen und Touristinnen, die es sich unter den Strahlern gemütlich machen? Ich fürchte nicht. Ein Beispiel dafür, wie weit verbal geäußertes Umweltbewusstsein und reales Umweltverhalten auseinander klaffen. Aber auch ein Beispiel dafür, wie leicht es ist, einen Beitrag zum Klimaschutz zu leisten: sich einfach der Jahreszeit entsprechend im Innenraum der Kneipen aufhalten. Und wer dann noch etwas mehr tun möchte, könnte ja die Kneipiers darauf hinweisen, warum er/sie drinnen sitzt und deutlich machen, dass wir unsere vier Jahreszeiten auch behalten möchten..