Gärtnern ist der Trend – das sieht auch die Performancekünstlerin Coco Lores so, die mich mit ihrem Auftritt bei einer Gender Studies-Konferenz letztes Wochenende mit dem Lied „Ich halt den Spaten – ich versprach dir niemals einen Rosengarten“ zu Lachtränen gerührt hat – ich sag bloß „Zucchini und du im Bikini“… Dass ich mich da ertappt fühlte, liegt daran, dass ich – abgesehen von den Kindern – das wahrscheinlich jüngste Mitglied der entstehenden Berliner Ökogartenkolonie Wildkraut bin.
Wem das zu reformistisch ist oder wer zu seinen Tomaten ein weniger besitzergreifendes Verhältnis hat und sie im Zweifelsfall auch mit Kindern und Hunden teilen würde, für den ist das Guerilla Gardening ein prima niedrigschwelliger Einstieg ins GärtnerInnenglück. Die Grüne Welle hat eine Kurzanleitung zum Guerilla Gardening erstellt.
Dazu braucht man im Prinzip bloß ein Fleckchen Erde (ein Brachgrundstück, eine unbegrünte Baumscheibe), ein paar Pflanzen oder Samen (bei VERN kann man alte Nutzpflanzen bestellen, z. B. gelbe Tomaten, Tabak oder Riesenkürbisse. Oder einfach Sonnenblumen nehmen), und ein bisschen Mut. Besonders konspirativ gehts mit seed bombs, mit denen man die Samen über Bauzäune u. ä. befördert – siehe Originalanleitung von 1973.

Weihnachtsgrüße von guerrillagardening.org – hier als pdf.
Gestern morgen beim Warten auf die S-Bahn – der Bahnstreik hat ja auch ein Gutes: endlich mal in Ruhe die Zeitung lesen – finde ich eine kleine Randnotiz auf der Wirtschaftsseite, dass das Europaparlament sich dafür ausgesprochen hat, die schärferen Normen beim CO2-Ausstoß von Neuwagen erst 3 Jahre später als geplant in Kraft treten zu lassen. Strengere Normen ja, aber bitte erst ab 2015 heißt das im Klartext. Man wolle den PKW-Herstellern mehr Zeit zur Entwicklung besserer Motortechnik geben, heißt es. Ob es in acht Jahren nicht vielleicht für das Klima zu spät ist, diese Frage scheint sich im Europaparlament niemand zu stellen. Die Autoindustrie ist zufrieden.
Einige Stunden später flattern die EU-News vom DNR ins Postfach. Die nächste Überraschung: „EU-Kommission verschiebt klimarelevantes Gesetzespaket auf 2008 – Ursprünglich sollten die Maßnahmen zur Weltklimakonferenz in Bali im Dezember auf den Tisch“.
Warum landet nur die Vergabe des Friedensnobelpreises an die Personality Show von Al Gore auf den Titelseiten, und nicht diese Nachrichten, die uns alle in einen Streik treten lassen sollten? Nur: wie streikt man gegen das Europaparlament? Vielleicht fallen den vielen Umweltaktivistinnen ja kreative Aktionen ein?
Das internationale Verlagshaus Sage bietet noch bis zum 30. November freien Zugang zu verschiedenen englischsprachigen wissenschaftlichen Zeitschriften im Bereich Gender Studies. BenutzerInnen, die sich hier registrieren, können uneingeschränkt pdf-Dokumente von aktuellen und älteren Ausgaben herunterladen. Im free trial sind unter anderem Gender, Technology and Development und Feminist Theory.
Das Projekt GINUT (Gender in der Naturwissenschaft & Technik) an der TU Berlin sucht noch Teilnehmerinnen für das genderLab!: ein Seminar zu Gender Mainstreaming in den Prozesswissenschaften. Wie immer bei GINUT soll viel praktisch und im Team gearbeitet werden. Möglich ist z. B., einen Gender Action Plan für einen konkreten EU- Forschungsantrag zu erstellen oder eine Genderanalyse der Studiensituation am eigenen Studiengang durchzuführen. Mitmachen können Studierende der Ingenieur-, Technik und Naturwissenschaften, der Gender Studies und alle sonstigen Interessierten. Genauere Infos gibts im genderLab!
Alljährlich vergibt die Deutsche Bundesstiftung Umwelt den Umweltpreis – immerhin der mit einer halben Million Euro höchstdotierte Umweltpreis in Europa. 15 Jahre hat es gedauert, bis die Jury anerkannte, dass es auch Frauen gibt, die sich um die Umwelt verdient machen. Einzige bisherige Ausnahme war 2004 ein Ehrenpreis für Loki Schmidt, die Frau des ehemaligen Bundeskanzlers Schmidt für ihre Verdienste im Naturschutz. Das kommt uns doch irgendwie bekannt vor, dass die Frauen die Ehre kriegen, die Männer das Geld.
Nun also mit Beate Weber, der früheren Oberbürgermeisterin von Heidelberg, die erste Frau, die einen ‚richtigen‘ Preis erhält. Dass der Preis diesmal durch drei geteilt wird, schmälert die Freude nicht.
Der Preis steht in diesem Jahr im Zeichen des Klimaschutzes. Beate Weber hat sich als Bürgermeisterin immer auch für Geschlechtergerechtigkeit eingesetzt. Vielleicht diffundiert das ja zur Jury und den anderen Preisträgern rüber. Dem Klima würde es gut tun, dem Klimaschutz allemal.